Kinderbetreuung – mal anders gedacht!

Jede Business-Mama und vor allem die, die es noch werden wollen, stellen sich irgendwann die alles entscheidende Frage:

Wohin mit dem Kind
wenn ich wieder arbeite?

Und ich meine das überhaupt nicht abwertend!

So schön die Elternzeit auch ist – sie geht zu Ende. Ob das nun nach wenigen oder vielen Monaten ist, spielt hier gar keine Rolle. Wir müssen uns über kurz oder lang Gedanken machen, wie es nach der Elternzeit weitergehen soll.

Vielen Mamas macht dieser Gedanke Angst. Neun Monate ist dieses wunderbare Wesen in unserem Bauch gewachsen. Wir haben es zur Welt gebracht und es liebevoll umsorgt. Anfangs gab es kaum Momente der Trennung, das Baby brauchte uns rund um die Uhr. Über die kommenden Monate hat es in winzigen Schritten an Persönlichkeit und auch an Eigenständigkeit gewonnen.

Und nun sollen wir uns plötzlich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dieses kleine, unselbstständige Wesen zu verlassen, um in die Arbeit zu gehen?

Kaum vorstellbar!

Aber zum Glück ist es nicht ganz so dramatisch. Ja, die Trennung wird beiden sehr schwer fallen: Sowohl dem Kind als auch der Mama. Aber nicht immer können wir uns den Moment der ersten großen Trennung aussuchen. Um so früher er kommt, um so wichtiger ist eine gründliche Planung vorab.

Um sich gut entwickeln zu können und sich sicher und verwurzelt zu fühlen in dieser Welt, braucht ein Kind eine sichere Bindung zu einer oder auch mehreren Bezugspersonen. Das ist mit der wichtigste Einflussfaktor und daher müssen wir Eltern unser Möglichgstes tun, unserem Kind diese Sicherheit zu geben.

Zur liebevollen Betreuung unseres Nachwuchses gibt es heutzutage zahlreiche Möglichkeiten. Nicht jede ist für jedes Alter und jede Persönlichkeit geeignet. Ich möchte Dir hier einige Möglichkeiten zur Kleinkinderbetreuung vorstellen. Aber denke daran:

Du als Mama kennst
Dein Kind und Dich am Besten!

Also höre auf Dein Herz und Dein Bauchgefühl, es wird Dir sagen welche Option die beste für Euch ist.

Hier haben wir Deutschen wahren Aufholbedarf in Sachen gelebter Gleichberechtigung. Zwar steigt die Zahl der Väter, die Elternzeit beantragen, kontinuirlich an: Immerhin nehmen mittlerweile vier von zehn Papas Elternzeit in Anspruch – die meißten bleiben allerdings nur die zwei Partnermonate zu Hause. Das ist zwar eine nette Unterstützung für die Mama, aber eine Aufteilung der Erziehungszeit ist das nicht.

Also setzt Euch zusammen uns sprecht offen über diese Option: Kann Papa die Haupterziehungszeiten abdecken? Oder ist zumindest eine faire Aufteilung zwischen Mama und Papa möglich?

In den allermeisten Fällen entscheidet das Gehalt des einen über die Aufteilung der Erziehungszeiten untereinander. Oder aber die Karriereperspektiven. Manchmal ist es auch beides.

Wichtig ist: Entscheidet das gemeinsam und legt den Fokus darauf, was für Eure kleine Familie am Besten ist. Es geht nicht darum, was die eigenen Eltern mit anderen Rollenvorstellungen denken. Oder die Nachbarn. Oder aber die Freunde. Ihr Beide müsst mit der Situation klar kommen – nicht Euer Umfeld!

Der Papa ist eine ganz hervorragende Bezugspersonen für das Kind, er ist ja auch von Anfang an da! Also in den meisten Fällen zumindest. Leider traut man es dem Papa nur nicht „naturgegeben“ zu – schließlich ist doch der Mann derjenige, der das Geld nach Hause bringt, der Jäger, der Beschützer. Klingt altbacken? Ja, da hast Du völlig Recht! Dennoch ist es weiterhin das klassische Familienmodell, nach dem wir leben und welches wir leider nur selten hinterfragen.

Papas können übrigens ganz tolle Kindererzieher sein! Sie bringen eine ganz andere Dimension mit ein und für Kinder ist eine gefestigte Beziehung zu Mama und Papa doch nur von Vorteil!

Oftmals hat Papa aber Sorge, dass er das nicht so gut hinbekommt wie die Mama oder eine ausgebildete Erzieherin. Das ist jedoch Quatsch. Es liegt den Papas genauso im Blut, den Nachwuchs zu erziehen. Übung macht den Meister. Auch hier gilt: Es muss nicht perfekt sein! Gebt Euch Zeit und sprecht Eure Erwartungshaltung genau ab.

Wir werden auf MrsMama.de noch weitere Beiträge zu diesem Thema veröffentlichen, um Euch Mut zu machen, diesen Weg zumindest mal auszuprobieren. Mein Ehemann ist auch Vollzeitpapa geworden – eigentlich ist er Berufssoldat. Ist es einfach? Nein! Aber die beste Lösung für unsere Familie. Aber das muss, wie gesagt, jeder für sich und seine individuelle Situation entscheiden!

Wenn Du in der glücklichen Lage bist, die eigenen Eltern oder die Schwiegereltern in der Nähe zu haben, dann bietet sich hier eine tolle Betreuungsmöglichkeit.

Aber Achtung: Funktionieren tut das in der Regel nur, wenn die Erziehungsvorstellungen halbwegs übereinstimmen und das Verhältnis untereinander gut ist. Gibt es schon vor der Betreuung Spannungen, dann solltest Du von dieser Betreuungsvariante lieber die Finger lassen – das Verhältnis wird sich dadurch nur verschlechtern und am Ende bekommt das Kind das zu spüren.

Sprecht daher im Vornherein offen und ehrlich über Eure gegenseitige Erwartungshaltung und Erziehungsvorstellungen. Klärt auch das Finanzielle vorher ab. Wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen kannst Du entscheiden, ob das die beste Betreuungsmöglichkeit für Dich und das Kind ist.

Nimm Dir für die Eingewöhnung auch bei dieser Betreuungsoption ausreichend Zeit. Nur weil die Oma selbst Mama ist, stellt sie für unser Kind nicht automatisch eine Bezugsperson dar. Es kommt natürlich sehr darauf an, wie intensiv der Kontakt schon zuvor im Leben des Kindes war.

Eine Tagesmutter zu finden, die einem sympatisch ist und zur Familie passt, braucht ebenfalls Zeit. Frage im Freundeskreis, im Kindergarten oder bei Kolleginnen nach, ob man Dir jemanden empfehlen kann. Auch das Jugendamt ist eine sehr gute Anlaufstelle, um sich nach geeigneten Tagesmüttern zu erkundigen.

Die meisten Betreuungsplätze bei Tagesmüttern werden durch Weiterempfehlung vergeben, daher ist es oft schwer, von freien Plätzen zu erfahren. Nutze daher Deine Kontakte und beginne rechtzeitig, Dich umzuhören.

Natürlich gibt es mittlerweile auch große Internetportale wie z.B. http://www.betreut.de, die bei der Suche nach Tagesmüttern behilflich sind.

Egal für welche Quelle Du Dich entscheidest: Prüfe sehr sorgfältig, wem Du Dein Kind anvertraust! Wer ist Dir sympathisch? Welche Qualifikationen hat die Tagesmutter? Lass Dir immer ein paar Referenzkontakte geben, bei denen Du Dich über die Tagesmutter persönlich erkundigen kannst. Seriöse Tagesmütter werden damit überhaupt kein Problem haben, da ihre gute Arbeit für sie sprechen wird. Und lass Dir die Pflegeerlaubnis gemäß § 43 Abs. 1 SGB VIII vorlegen.

Und auch hier ist wieder wichtig: Gib Dir und Deinem Kind die Zeit die es benötigt, um Bezug zur Tagesmutter aufzubauen. Das geschieht nicht über Nacht.

Übrigens gibt es auch sehr gute Pflegepapas oder Pflegeomas! Der Einfacheit halber schreibe ich hier aber nur von der „Tagesmutter“.

Manche Tagesmütter betreuen Dein Kind zusammen mit weiteren Kindern bei sich zu Hause. Andere kommen zu Dir nach Hause und betreuen nur Dein Kind. Alles eine Frage der Absprache.

Eine weitere, gern genutzte Alternative zur Tagesmutter ist die selbst gegründete „Krabbelgruppen-GbR“. Hier gründest Du mit ein paar weiteren Familien deine eigene Krabbelgruppe. Zur rechtlichen Absicherung gründet ihr eine GbR, eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“. Sie wird auch oft als „BGB-Gesellschaft“ bezeichnet.
Die Gründung ist denkbar einfach: Mindestens zwei (aber auch mehr) Parteien entscheiden sich, die Erreichung eines gemeinsamen Zwecks zu fördern. Dies kann zwar auch mündlich erfolgen, es ist aber empfehlenswert, dies in einem Gesellschaftsvertrag niederzuschreiben. Mindestkapital ist nicht erforderlich.

Habt ihr bereits eine Tagesmutter gefunden, die eine Erlaubnis zur Betreuung von Kindern gemäß § 43 Abs. 1 SGB VIII besitzt, so ist es recht einfach. Soll eventuell eine der Mütter oder Väter die Rolle der Tagesmutter übernehmen, dann muss diese Bescheinigung erst erworben werden. Nötig wird das, wenn man gegen Entgelt mehr als 15 Stunden pro Woche außerhalb der Räumlichkeiten der Erziehungsberechtigten länger als drei Monate bis zu fünf Kinder betreuen möchte. Diesen Beitrag finde ich zu dem Thema sehr hilfreich: https://www.netmoms.de/magazin/kinder/tagesmutter/tagesmutter-unterstuetzung-vom-jugendamt/

Da hier eine Betreuung in kleiner Gruppe mit nur einer Bezugsperson möglich ist, eignet sich diese Betreuungsvariante besonders für Kleinkinder bis zum 3. Lebensjahr, also bevor sie in den Kindergarten gehen.

Auch zu einer Krippenerzieherin kann das Kleinkind eine sichere Bindungsbeziehung aufbauen, hier ist aber eine besonders behutsame Eingewöhnung von Nöten. Am Besten beginnt man auch hier, im Beisein der Mama, mit dem gemeinsamen Spielen, später auch Wickeln, Füttern und zu Bett legen. Schritt für Schritt kann Mama dann auch schon den Raum für immer länger werdende Zeiträume verlassen. Die meisten Krippen planen bei Kleinkindern ab einem Jahr zwei Wochen Eingewöhnungszeit ein. Diese Zeit sollte man sich auch nehmen. Jedes Kind reagiert hier anders und es hängt sehr davon ab, wie schnell (und ob überhaupt) Dein Kind eine vertrauensvolle Beziehung zur Erzieherin aufbauen kann. Wir mögen ja auch nicht jeden!

Achte bei der Wahl der Krippe auch auf den Betreuungsschlüssel. In der Altersklasse der Ein- und Zweijährigen ist ein möglichst geringer Betreuungsschlüssel natürlich wünschenswert. Umso weniger Kinder in der Gruppe sind, um so mehr Zeit kann die Erzieherin den einzelnen Kindern widmen. Kleinkinder brauchen aber natürlich noch viel Aufmerksamkeit. Bei einem Betreuungsschlüssel von 1:6 (das dürfte der Standard sein) kümmern sich zwei Erzieher/innen um bis zu 12 Kleinkinder im Alter von einem bis drei Jahre. Das hier wenig Zeit für das Eingehen auf individuelle Signale bleibt dürfte klar sein. Umso wichtiger ist es, dass die Erzieher/innen feinfülig auf Ihre Schützlinge eingehen können.

In den letzten Jahren wurde rege diskutiert, ob die Fremdbetreuung unserer Kleinkinder in einer Kinderkrippe deren Bindungsentwicklung und emotionale Entwicklung negativ beeinflussen würde. Kurz gefasst kam bei mehreren Studien heraus, dass dies NICHT der Fall ist, solange Folgendes beachtet wird:

  • Die Krippe wird als Ergänzung zur Familie gesehen, nicht als Ersatz. Soll heißen: Verbringt das Kleinkind jeden Tag viele Stunden in der Krippe (wird morgens gebracht und erst abends wieder abgeholt), so kann dies durchaus eine negative Bindungsentwicklung zur Folge haben.
  • Die Bezugsperson in der Krippe, meist die Erzieherin, wechselt nicht ständig. Kleinkinder brauchen wie gesagt Zeit, um eine Bindung aufzubauen. Da ist eine gewisse Kontinuität sehr wichtig.
  • Mama und Papa gehen zu Hause feinfühlig mit ihrem Kind um. Hat das Kind also eine stabile Bindung zu Mama und/oder Papa aufgebaut, so wird es auch in der Krippe zurecht kommen.

Ich kann dies nur bestätigen: Meine beiden Jungs sind mit einem Jahr in die Krippe gegangen, täglich von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr. Dann wurden sie vom Papa abgeholt und haben zu Hause Mittagsschlaf gemacht. Papa hatte dadurch am Vormittag „frei“ und war entspannter. Die Jungs sind immer sehr gerne in die Krippe und später in den Kindergarten gegangen.

Au-Pairs kommen in der Regel aus dem Ausland und übernehmen für ein kleines Taschengeld sowie freie Kost und Logie die Betreuung der Kinder zu Hause. Sie bleiben meist für neun bis zwölf Monate.

Diese Art der Betreuung sollte allerdings frühestens ab dem Kindergartenalter in Erwägung gezogen werden. Die Au-Pairs sind meist selbst noch jung, manche plagt dann doch das Heimweh oder sie kämpfen mit Sprachproblemen. Hier können sich schnell große emotionale Dramen innerhalb der Familie abspielen. Da muss man sich schon fragen, ob es das Wert ist.

Selbst wenn man ein zuverlässiges und vielleicht schon etwas erfahreneres Au-Pair finden kann, bleibt die Situation für ein kleines Kind durchaus recht schwierig: Es bindet sich an die neue Bezugsperson, doch diese ist dann meist recht abrupt auch wieder weg, wenn das Jahr rum ist. So kann es vorkommen, dass ein Vierjähriges Kind vier bis sechs verschiedenen „Bezugspersonen“ hatte – hier darf man sich dann aber auch nicht wundern, wenn das Kind Probleme mit der Bindung entwickelt. Denn es macht die Erfahrung, dass seine Bezugsperson kommt und geht.

Entscheidet man sich dennoch für die Betreuung des Kindes durch ein Au-Pair, so sollte für den Wechsel zwischen den Au-Pairs genügend Zeit eingeplant werden. Die Eingewöhnung mit dem neuen Au-Pair sollte also in der Zeit stattfinden, in der das alte Au-Pair auch noch da ist.

Welche Erfahrungen hast Du mit der Fremdbetreuung Deines Kleinkindes gemacht? Schreibe uns gerne einen Kommentar!

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